ESK | Sonnenberg Klinik Stuttgart

Stuttgart, Wettbewerb 2013

Wohnen und Therapieren in einer allgegenwärtigen und intensiv erlebbaren Naturlandschaft ist die zentrale Idee des Wettbewerbsbeitrages. Das Programm ist vertikal geschichtet. Zwischen den ebenerdig zum Park liegenden Therapiebereichen und in die Baumkronen gehobenen Wohnbereichen folgt eine grüne Trennebene sanft dem Geländeverlauf. Sie dient dem Therapiegeschoß als lichtspendendes Dach, als auch den Bewohnern als intensiv begrünter Garten. Ein Großteil der überbauten Fläche wird so der Landschaft zurückgegeben, während gleichzeitig eine scharfe, jedoch vielfach permeable Trennung zwischen Wohnen und Therapie eingeführt wird – unter Erhalt großer räumlicher Nähe und kurzer Wege zwischen den beiden Bereichen.

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  • Grundstücksfläche16.750 m²
  • Bebaute Fläche4.200 m²
  • Nutzfläche7.100 m²
  • MitarbeiterAraceli Garcia Sánchez, Clemens Gurtner, Robert Huebser, Stefan Schubert, Alice Steinmetz, Mark Steinmetz
  • Bruttogeschoßfläche10.750
  • Anzahl Zimmer80
  • Anzahl Betten126

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Vorfahrt und Haupteingang bleiben in ihrer Lage unverändert und werden aufgewertet. Im Erdgeschoß des Hauptgebäudes findet ein großzügiges Foyer Platz, das sich zur Südfassade als Galerie in einen zweigeschossigen Luftraum öffnet und den Blick freigibt über die Speiseterrasse auf den grünen Horizont des Gartendaches. Das darunterliegende Therapiegeschoß kaskadiert, entlang eines diagonalen Haupterschließungsweges, als feingliedriges Mosaik dem Hang folgend nach Süden. In Anlehnung an einen gewachsenen Stadtkern entsteht ein abwechslungsreiches Geflecht aus Straßen, Gassen, Plätzen und Parks, die durch Atrien aufgelockert, großzügig Belichtet werden. Eine „Öffentlichkeit“ en miniature, die den Patienten erlaubt verschiedene Grade sozialer Interaktion im geschützten Rahmen der Klinik beiläufig und selbstverständlich zu erfahren, zu üben und (wieder) anzueignen.

Funktionale Gliederung

Dreh und Angelpunkt des „städtischen Lebens“ im Therapiegeschoß bildet der räumlich mit dem Foyer verschränkte Speise- und Konferenzbereich. Daran schließen sich die mit der Therapie gemeinsam genutzten Gruppenräume als Übergangszone in den Sport- und Behandlungsbereich an. Dieser orientiert die Therapieräume zum Park, während sich Arzt- und Untersuchungszimmer um die geschützteren Lagen an den Atrien gruppieren. Im Süden öffnen sich die tagesklinischen Aufenthaltsräume zum Park und etablieren einen ebenerdigen sozialen Kontrapunkt zum Speisebereich am gegenüberliegenden Ende der großen Diagonalen. Die Therapeutenzimmer für Einzeltherapien schließlich liegen in den beiden unteren Geschoßen des Westbaus, intimer und vom lebendigen „Stadtkern“ zurückgezogen.

Über dem Garten und Therapiebereichen gliedern sich die Wohnbereiche in zwei Zonen. Die Einzelzimmer für Patienten mit erhöhtem Pflegebedarf sind in den zu einem funktional kompakten Riegel verklammerten West- und Hauptgebäuden untergebracht. Das obere Geschoß des Hauptgebäudes wird dafür als Regelgeschoß auf den Umriss des darunterliegenden nachgeführt. Über dem Dachgarten werden vier Punkthäuser mit je zwei Maisonetten für Wohngruppen ausgebildet.

Die spielerische Komposition der Baumassen erlaubt Kompaktheit und Dichte, ermöglicht aber gleichzeitig allen Bewohnern einen freien, unverstellten Blick in die Landschaft. Dabei entsprechen sowohl Maßstäblichkeit als auch Differenzierung der Baukörper den gewohnten Wohnumgebungen der Patienten.

Landschaftsarchitektonische Leitidee

Vergrößerung des Freiraumangebotes und die nachhaltige Entwicklung des umgebenden Landschaftsraumes bilden wesentliche Ziele der Neugestaltung. Aus Dachflächen wird ein signifikanter Mehrwert generiert.

Waldlichtung

Der Freiraum zwischen Waldrand und Klinikgebäuden wird als mehrschürige Wiesenlandschaft ausgebildet. Diese ist von einem geschwungenen Spazierweg durchzogen, an dem Sitzplätze angeboten werden. Mehrstämmige Spitzahorne und Weißdorne, sowie punktuell am Waldrand gepflanzte Schlehen und Wildrosen bestimmen die Atmosphäre.

Gartenplateau

Über dem Therapiegeschoss entfaltet sich ein neuer Garten – wie ein „gedeckter Tisch“ für die Patienten der Wohnhäuser. Dieses grüne Plateau wird sowohl über das Hauptgebäude erschlossen, als es auch von den einzelnen Häusern aus begehbar ist: Ein ruhiger, langsamer Ort, bestehend aus unterschiedlich konfigurierten Feldern mit Sträuchern, Stauden und Gräsern, sowie kleinen Bäumen (Felsenbirnen und Zieräpfeln), zwischen denen ein Wegenetz zum Gehen und Verweilen einlädt. So entsteht ein über die Jahreszeiten attraktiver Garten – im Frühjahr in eher blau-rosa-grünen Blütenfarben, im Herbst mit eher weiss-gelb-grüner Anmutung.

Der Garten stellt eine wesentliche emotionale Komponente der Sonnenbergklinik dar, der den Patienten eine besondere Qualität bietet und dessen Pflegeaufwand sich indes in vertretbaren Grenzen hält.

Atrien

In das Gartenplateau sind zehn Atrien eingeschnitten, die Licht in das Therapiegeschoß bringen. Das große nördliche Atrium, als Holzdeck ausgeführt, dient als Speiseterrasse. Die anderen bilden immergrüne Patios.