GZL | Geriatriezentrum Liesing

Wien, Wettbewerb 2006

Leitideen des Projekts sind hochqualitatives Wohnen für pflegebedürftige Senioren in einer grünen Oase der Stadt Wien sowie die Anregung und Sensibilisierung sämtlicher Sinne der Bewohner durch die Schaffung eines entsprechenden Lebensraumes vor dem Hintergrund einer funktionellen Pflegestruktur.

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  • Wettbewerb2. Preis
  • Grundstücksfläche37.650 m²
  • Bebaute Fläche8.700 m²
  • Nutzfläche32.250 m²
  • MitarbeiterFriedrich Hähle, Holger Schäfer, Alice Steinmetz, Mark Steinmetz
  • Bruttogeschoßfläche36.488
  • Anzahl Zimmer296
  • Anzahl Betten338

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Städtebauliches Konzept  

Das Grundstück besteht aus einem Park mit zugehörigem Schloss innerhalb des Stadtteils Liesing. Wir befinden uns an einer Übergangssituation zwischen unterschiedlichen städtischen Strukturen. Im Norden dicht – im Süden aufgelockert. Dieser Paradigmenwechsel, der durch die Änderung der strukturellen Gebäudeausrichtungen, mit dem Knick der Perchtholdsdorfer Strasse verstärkt wird, und der Besonderheit des Schlosses als Solitär im Park, erfordert exakt an dieser Stelle eine sehr sensible Anordnung der Neubaustruktur.

Entsprechend der Analyse mit der vorgefundenen Verdichtung des Umfeldes von Süden Richtung Norden wird der Neubau mit seiner Baukörperstruktur als Kammartige Bebauung vorgeschlagen. Die gewählte Art der Bebauung schließt sich Richtung Norden und öffnet sich in den Park hinein.
Die Konfiguration und Gliederung der nord- süd gerichteten Elemente stellt gemeinsam mit den entstehenden Freibereichen einen Übergang zwischen Bebauung und Parklandschaft dar. Darüber hinaus erhalten wir in diesen Bauteilen ausschließlich West-Ost-orientierte Räume, die sich ideal für die Bewohnerzimmer eignen.
Die Parklandschaft wird hier neu formuliert, wobei größter Wert darauf gelegt wird, den Parkcharakter, mit ergänzender Neubepflanzung in seinem Wesen zu erhalten.
Im Bereich des Abbruchs des bestehenden Geriatriezentrums entsteht ein konzeptionell neu formulierter Parkteil, der gemeinsam mit dem bestehenden Park ein neues zusammenhängendes Parkbild erzeugt.
Im südlichen Anschluss daran, entlang der Perchtholdsdorfer Straße wird eine „Gärtnerei“ errichtet, die, bestehend aus einem Glashaus und einem zugeordneten Freibereich mit Beeten, therapeutisch genutzt werden soll. Diese Bereiche definieren den südlichen Abschluss des Areals. Das Schlossgebäude, das derzeit als Teil des Geriatriezentrums genutzt wird, stellt im Parkgefüge einen Solitär dar. Im westlichen Flügel wurde der ursprüngliche Charakter durch diverse funktionelle Um- und Anbauten für den Betrieb nach außen sichtbar stark verändert.
In diesem Bereich setzen wir durch entsprechende Rückbaumaßnahmen in Zusammenhang mit einem Anbau einen nach außen sichtbaren, zeitgenössischen Akzent. Dieser steht in Dimension und architektonischer Ausformulierung in einem ausgewogenen Verhältnis zum Bestand.

Architektonisches Konzept

Basierend auf dem städtebaulichen Konzept ergeben sich drei Baukörpertypen, die zueinander in inhaltlich funktionellem Zusammenhang stehen:

Die drei Stationsbaukörper mit den Wohngemeinschaften. Diese bilden den städtebaulichen Übergang vom Blockrand zum Park. Im Inneren Gefüge entstehen durch die Verschwenkung der Zimmerbaukörper Binnenräume für die Gemeinschaft, die „Tagräume“. Diese Wohngemeinschaftsräume öffnen sich über eine wintergartenartige Schrägverglasung Richtung Süden zum Schlosspark. Im Norden erzeugen diese Aufweitungen die Eingangsbereiche in die Stationen.

Das Tageszentrum, im östlichen Bereich an der Perchtholdsdorfer Straße, das als selbstständige Funktionseinheit betrieben wird.

Der nördliche Randbaukörper als funktionelles Rückgrat, der die Bereiche Erschließung, Anlieferung, Ver- und Entsorgung, Personalbereiche und Verwaltung, sowie Therapie und Behandlungsräume beherbergt. Hier befindet sich auch der Vorfahrtsbereich und im Osten der Haupteingang, verbunden durch ein großzügiges Vordach.

Die direkt zugehörigen Freibereiche gliedern sich in den Freibereich in  Fortsetzung des Entrees als gekiester Garten mit mächtigem Baumbestand, Skulpturen- und einem Rhododendrenfeld, mit Durchblick unter den östlichen Stationsbaukörper, der im Erdgeschoß auf Stützen steht, durch den „Wasserfall“ hindurch in Richtung Schloss. Den mittleren Freibereich als zugeordneter Parkraum für den Neubau sowie den westlichen geschützten Freibereich für Bewohner mit Altersdemenz. Dieser erstreckt sich auch auf die Dachgartenzone im ersten Obergeschoß der Zwischentrakte.

Organisationskonzept

Entsprechend den Funktionsverteilungen erhält das Gebäude drei Eingangsbereiche:

Den Haupteingang im Nordosten mit Eingangshalle, Portier, Cafeteria, Shops, Friseur und dem verglasten Mehrzweckraum, der unter dem schwebenden Stationsbaukörper panoramaartig in den Park orientiert ist.

Die Ver-, Entsorgungs- und Personaleingänge im Norden, orientiert zur Anlieferungsstraße. Hier befindet sich auch die Zufahrt für Krankentransporte mit direktem Zugang zu einem der Bettenaufzüge.

Die Tiefgaragenein- und -ausfahrt im Westen an der Josef-Kutscha-Gasse, für die Garage des Geriatriezentrums und, im Anschluss daran, für die Erweiterung der Garage zur allfälligen Mitnutzung für das Schloss.

Der nördliche Randbaukörper als funktionelles Rückgrat ist als ein System mit tragenden Längswänden mit einer Bandfassade konzipiert. Dies gewährleistet, in Zusammenhang mit flexibler Installationsführung, eine nachhaltige Veränderbarkeit in der Raumorganisation, sowie der Nachrüstbarkeit der Funktionsbereiche auf den jeweils aktuellen Stand der (medizinischen) Technik.

Freiraumgestaltung

Der Bau des Geriatriezentrums schafft eine neue Situation in der vorhandenen Parklandschaft. Insbesondere im nördlichen Parkteil sind es zwar Baumgruppen, die dem Neubau weichen müssen, der vorliegende Parkentwurf indes entwickelt auf Grundlage dieser baulichen Gegebenheiten eine Landschaft, die keiner defensiven Haltung folgt. Unter Bedachtnahme auf traditionelle Elemente wird die Anlage konzeptionell neu formuliert. Die Herausforderung liegt darin, öffentlich zugängliche Freiflächen mit geschützten bzw. privateren Bereichen so zu verknüpfen, dass ein zusammenhängendes Parkbild erhalten bleibt bzw. entstehen kann.
Die Erschließung erfolgt über eine geschwungene Wegführung, die das Schloss umkreisend die wichtigsten Relationen aufnimmt.
Der allgemein zugängliche Parkteil liegt südlich der neuen Bebauung, wobei im Bereich östlich des Schlosses, auf der Fläche des ehemaligen Geriatriekomplexes eine markante neue Parkintarsie entsteht: Ein frei geformter mächtiger Baum-Kranz aus Blauglocken-, Amber- und Tulpenbäumen, der nach Innen eine weite Lichtung schafft und sich zur Perchtoldsdorfer Straße hin als städtebaulich relevante Raumkante manifestiert. Ein Mäander aus Bodendeckerstauden unter den Gehölzen schafft innerhalb wie außerhalb des Baumkranzes eine besondere Anmutung.
Die hofartigen, nach Süden offenen Freiräume des Geriatriezentrums fügen sich in das Gesamtensemble, ohne die erforderlichen Grenzen gestalterisch übermäßig zu betonen.
Der östliche Freibereich, der den besonders gefährdeten Bewohnergruppen zugeordnet ist, ist vom öffentlichen Parkteil nördlich des Schlosses durch eine Wasserfläche getrennt. An dessen Innenseite verläuft eine Hecke, die einen schützenden Zaun aufnehmen kann. Dieser Gartenteil ist durch Gräser und Hortensien bestimmt.
Der mittlere Freibereich der Geriatrie wird durch Heckenstreifen und dichte Staudenpflanzungen vom allgemeinen Teil getrennt, botanisch ist er durch Farne und Zaubernuss geprägt.
Der westliche Freibereich, dem Tageszentrum zugeordnet, ist als Kiesfläche ausgebildet, in dem ein Feld von Rhododendren liegt.
Die Vorfelder der im Schloss situierten ebenerdigen Wohnungen werden durch Wasserflächen begrenzt: Im Osten durch den bestehenden Wassergraben, der verlängert wird; im Westen durch einen neuen Wasserstreifen. So entsteht für diese Nutzungen eine geschützte Lage, deren Gestaltung traditionelle Elemente des Parks wieder aufnimmt.
Im südlichen Parkteil werden für Bewohner, die in Kleingruppen unter Betreuung den öffentlichen Parkteil besuchen, Therapiebeete eingerichtet. Hier könnten z.B. Kräuter und Schnittblumen angepflanzt werden, womit auch eine Bereicherung des Alltags entstünde. Anliegend wird ein Glashaus (mit Cafe-Küche) für therapeutisch betreute Kurse errichtet, in dem auch kleine Veranstaltungen (z.B. Geburtstagsfeiern) stattfinden können. Dieses Gebäude kann daneben für die Verwaltung auch als Gartendepot dienen.
In der Flucht der Finger der kammartigen Bebauung durchziehen Streifen von Taglilien den Park: Sie verknüpfen die neue Architektur mit dem Garten und schaffen zugleich Orientierungsmarken im Park.