WKB | Krankenhaus Bukarest

Bukarest, Wettbewerb 2016

Wohnen und Therapieren in einer allgegenwärtigen und intensiv erlebbaren Naturlandschaft ist die zentrale Idee des Beitrages. Zwischen den ebenerdig liegenden Therapiebereichen und in die Baumkronen gehobenen Wohnbereichen folgt eine grüne Trennebene sanft dem Geländeverlauf. Sie dient dem Therapiegeschoß als lichtspendendes Dach, als auch den Bewohnern als intensiv begrünter Garten. Ein Großteil der überbauten Fläche wird so der Landschaft zurückgegeben, während gleichzeitig eine scharfe, jedoch vielfach permeable Trennung zwischen Wohnen und Therapie und Behandlung eingeführt wird – unter Erhalt großer räumlicher Nähe und kurzer Wege zwischen den beiden Bereichen.

weiterlesen

  • Wettbewerb1. Preis
  • Grundstücksfläche11.000 m²
  • Bebaute Fläche4.950 m²
  • Nutzfläche17.200 m²
  • MitarbeiterZrinka Lovrekovic, Mark Steinmetz
  • Bruttogeschoßfläche22.800
  • Anzahl Zimmer143
  • Anzahl Betten215

schließen

Die innere Organisation

Das Programm ist vertikal geschichtet. Über dem Erdgeschoß, welches alle öffentlichen Bereiche und Räumlichkeiten für die ambulante Dienstleistungen (Polyklinik und Hospital) beherbergt, befinden sich drei Baukörper:

  1. Ein zweigeschoßiger Geriatriestationsriegel,
  2. ein viergeschoßiger Hospitalstationswürfel und
  3. ein weiterer viergeschoßiger Würfel, der die Seniorenwohnungen beherbergt.

Alle Technik-, Ver- und Entsorgungsräume, Teilbereiche der Polyklinik und des Hospitals, die eine Intimität verlangen oder aus technischen Gründen unbelichtet sein sollten (z.B. der Röntgenbereich), sind im Untergeschoß untergebracht. Die Räume der Polyklinik werden durch die großzügig verglasten Patios in der Gebäudemitte ausreichend natürlich belichtet.

Auch die Logistikzone mit Ladehof und großem Müllraum wurde in das erste Untergeschoß und die Tiefgarage ins zweite Untergeschoß integriert, ihre Zufahrten im südlichen Grundstücksbereich unterhalb des Haupteingangsplateaus im Gelände versteckt.

Entscheidendes Entwurfskriterium war es den in ihrer Mobilität stark eingeschränkten Bewohnern und Patienten zu ermöglichen sich schnell in ein neues soziales Umfeld einzufinden. Sowohl die Grundrissorganisation als auch die räumlich-atmosphärische Gestaltung wurden gezielt darauf ausgelegt Kommunikation und Interaktion zwischen den Bewohnern zu fördern, und ihnen weitreichende Möglichkeiten zur Eigeninitiative und Aneignung ihrer neuen Heimat zu eröffnen. Natürlich kann gerade für alte Menschen eine verlorengegangene Dorf-, Stadtteil- oder Hausgemeinschaft nicht allzu einfach ersetzt werden, und entsprechend groß ist die Bedeutung die gerade diesem Aspekt im Entwurfsprozess beigemessen wurde.

Das Leitmotiv das sich durchs Gebäudeinnere zieht ist eine abstrakte Interpretation des traditionellen, gewachsenen europäischen Stadt- oder Ortskerns, mit seiner komplexen Struktur, seinen Plätzen, Gassen und Winkeln. Dabei geht es nicht um irgendeine Form ästhetisierter Mimikry sondern vielmehr um die differenzierte, feine Abstufung öffentlicher, halb-öffentlicher und privater Bereiche und deren fließendes Ineinandergreifen.

Die spielerische Komposition der Baumassen erlaubt Kompaktheit und Dichte, ermöglicht aber gleichzeitig allen Bewohnern einen freien, unverstellten Blick in die Landschaft. Dabei entsprechen sowohl Maßstäblichkeit als auch Differenzierung der Baukörper den gewohnten Wohnumgebungen der Patienten.

Das Erdgeschoß und die Sonderfunktionen

Das Erdgeschoß beherbergt neben dem Haupteingang das großzügige Foyer mit Empfang, kleinen Geschäften, einem Café und dem Restaurant mit angeschlossenem Seminarbereich. Zentraler Anlaufpunkt ist der mittig im Gebäude positionierte Empfangstresen, welcher Sichtverbindungen zu jeder vertikalen Verbindung (Lift, Stiege) im Gebäude hat. An der Ostfassade, zum Eingang und damit auch zur Öffentlichkeit hin orientiert, ist dem Gebäude ein multi-religiöser Andachtsraum vorgelagert, der als kristalliner Betonkörper ganz bewusst mit der Formensprache des restlichen Gebäudes bricht. Im nördlichen Gebäudeteil ist die Polyklinik situiert, die über Patios in Sichtverbindung mit den im Untergeschoss liegenden Polyklinikbereichen steht. Das Hospital mit einem eigenen Notfall-Ambulanz-Eingang befindet sich im südlichen Gebäudeteil. Und die Verwaltung bildet den westlichen Abschluss des Erdgeschoßbaukörpers.

In Anlehnung an einen gewachsenen Stadtkern entsteht ein abwechslungsreiches Geflecht aus Straßen, Gassen, Plätzen und Parks, die durch Patios aufgelockert und großzügig Belichtet werden. Eine „Öffentlichkeit en miniature“, die den Patienten und Bewohnern erlaubt verschiedene Grade sozialer Interaktion im geschützten Rahmen der Klinik beiläufig und selbstverständlich zu erfahren, zu üben und sich (wieder) anzueignen.

Die Stationen und Zimmer der Geriatrie

Es sind jeweils zwei Station für den Nachtbetrieb zusammenschaltbar (Dualität = ökonomischer Umgang mit Personalressourcen). Beide Stationen teilen sich gemeinsam nutzbare Räume: Versorgung, Entsorgung, Stationsbad, Therapieraum und einen dem Personal vorbehaltenen Versorgungslift.

In den beiden äußeren Streifen entlang der Längsfassaden reihen sich die einzelnen Zimmer auf, während die Mittelzone Erschließung und Nebenräume beherbergt. Indem diese als verschieden große Inseln ausgebildet wurden ergeben sich vielfältige, gewollt redundante Erschließungsschleifen. Es wurde besonders darauf geachtet dass in diesem Netz aus “Gassen” und “Wegen” keine Sackgassensituationen entstehen, was bei Demenzpatienten leicht zu Panikreaktionen führen könnte. Zu den Stirnseiten der Stationsriegel hin weiten sich die Mittelzonen auf und gehen schließlich durch raumhohe Verglasung in Balkone und Terrassen über, die großzügige Blicke in die umgebende Landschaft freigeben.

Diese aufgeweiteten Enden beherbergen die “Tagräume”, also die Gemeinschafts- und Sozialbereiche der Stationen, in denen sich das Inselmotiv fortsetzt – statt als geschlossene Räume jedoch in Form von halbhohen oder offenen Elementen, als Theken, Küchenzeilen, Essbereiche, Sitzgruppen, Leseecken, oder verglaste Schaukästen, den sogennanten “Inszenierungen”, die als Blumarium, Aquarium oder Steingarten teilweise über zwei Etagen reichen.

Auch bei den tiefer im Gebäude liegenden, geschlossenen Inseln wurde auf Aneingnungs- und Interaktionsmöglichkeiten durch die Bewohner geachtet. So finden sich über die ganze Station verteilt kleine, in die Nebenraumwände eingelassene Sitznischen oder Bücherregale. Die Bewohner können selbst entscheiden ob sie lieber am Leben auf den “Plätzen” und “Kreuzungen” der Station teilnehmen, in einer “Nebenstraße” ein ruhigeres Plätzchen bevorzugen.

Die konventionelle Ordnung privates Zimmer – zweckmäßiger Gang – abgeschlossener Gemeinschaftsraum herkömmlicher Pflegeheime wird durchbrochen und durch ein graduell abgestuftes und weitgehend durch die Bewohner selbst bestimmtes Modell abgelöst. Dieses Konzept beschränkt sich nicht auf die Gemeinschafts- und Sozialbereiche, sondern wurde bis in die einzelnen Patientenzimmer weitergedacht. Dabei war es entscheidend eine feine Balance herzustellen zwischen der starken Betonung des gemeinschaftlichen Stationslebens und dem Bedürfnis nach Rückzug, Ruhe und individuellem Freiraum. Die einzelnen Zimmer orientieren sich in zwei Richtungen. Zum einen öffnen sie sich großzügig nach Außen, (jedes Zimmer verfügt über eine Loggia). Zum anderen gibt es jeweils ein großes Fenster nach innen, in die “Gassen” und “Straßen” der Station, welches die Bewohner aber jederzeit Blick- und Lichtdicht verschließen können.

Die Zimmertüren sind in Zweiergruppen aus dem Gang zurückversetzt und bilden zusammen mit den Innenfenstern und der Sitzbank jeweils einen kleinen Vorplatz vor den Zimmern als verlängerte Türschwelle. Ganz bewusst wurde hier in abstrahierter Form mit den Themen Hof, Hausbank und Garten gespielt. So entsteht eine Art “Adressbildung” innerhalb der Stationen, die die leblose Nummernanonymität eines typischen Krankenhauskorridors überwindet.

Die Krankenhausstationen

Jedes der vier Geschoße beherbergt eine Station. Die jeweils sechs Ein- und Zweibettzimmer reihen sich um den zentralen Stützpunkt mit seinen Nebenräumen und den Gemeinschaftsbereich mit kleiner Kaffeeküche.

Die Zimmer sind jeweils nach Westen oder Osten orientiert und ihnen ist jeweils ein kleiner privater Freiraum in Form einer Loggia vorgelagert.

Die Seniorenwohnungen

Der im nordöstlichen Gebäudeteil angeordnete Baukörper liegt auf dem begrünten Dach des Erdgeschoßbaukörpers und teilt sich diesen Freibereich mit den Geriatriestationen. In jedem Geschoß sind zehn rollstuhlgerechte Kleinwohnungen mit eigenem Freibereich (wettergeschützte Loggia) untergebracht, die sich jeweils nach Norden und Süden orientieren.

Ähnlich wie in den anderen Obergeschoßbaukörpern gliedern sich die Wohnungen um einen zentralen Gemeinschaftsbereich, der in den einzelnen Geschoßen unterschiedlich genutzt werden kann. So stehen den Bewohnern geschoßübergreifend eine Vielzahl von  Nutzungen und Aktivitäten zur Verfügung:

Gemeinschaftsküche, Lounge, Kino, Hobbyraum, Bibliothek, usw.

Die Wohnungen selbst bestehen aus einem großen Raum mit angegliedertem Badezimmer, der sich durch mobile Raumteiler mit integrierten Schiebetüren in Wohn- und Schlafbereich unterteilen lässt. Dieses offene Raumgerüst schafft die Möglichkeit die Wohnung individuell an den jeweiligen Bewohner und seine Lebens- und Gesundheitsumstände anzupassen.

Die Bewohner können je nach körperlicher und geistiger Verfassung Dienste aus dem angrenzenden Geriatrie- und Krankenhausbereich zukaufen (Essensversorgung, Wäschedienst, Putzdienst, Pflege, usw.) bzw die Angebote der Polyklinik (Spa, Therapie, usw.) mit nutzen.

Die landschaftsarchitektonische Leitidee

Vergrößerung des Freiraumangebotes und die nachhaltige Entwicklung des umgebenden Landschaftsraumes bilden wesentliche Ziele der Neugestaltung. Aus Dachflächen wird ein signifikanter Mehrwert generiert.

Gartenplateau:

Über dem Therapiegeschoß entfaltet sich ein neuer Garten – wie ein „gedeckter Tisch“ für die Patienten und Bewohner der Obergeschosse. Dieses grüne Plateau ist von den drei einzelnen Baukörpern aus begehbar: Ein ruhiger, langsamer Ort, bestehend aus unterschiedlich konfigurierten Feldern mit Sträuchern, Stauden und Gräsern, sowie kleinen Bäumen (Felsenbirnen und Zieräpfeln), zwischen denen ein Wegenetz zum Gehen und Verweilen einlädt. So entsteht ein über die Jahreszeiten attraktiver Garten – im Frühjahr in eher blau-rosa-grünen Blütenfarben, im Herbst mit eher weissgelb-grüner Anmutung.

Der Garten stellt eine wesentliche emotionale Komponente der Geriatrie dar, der den Patienten eine besondere Qualität bietet und dessen Pflegeaufwand sich indes in vertretbaren Grenzen hält.

In das Gartenplateau sind Patios (Atrien) eingeschnitten, die Licht und Natur in das Erdgeschoß bringen.