SZE | Seniorenzentrum Elisabethsiedlung Südtirol

Vahrn, Wettbewerb 2019

Grundgedanke ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Bewohnerinnen und Bewohnern im Seniorenzentrum ermöglichen, ihr vertrautes Leben möglichst weiterzuführen. Maßstäblichkeit, Proportionen, Materialien, Gerüche – all dies und mehr ist dafür maßgeblich.

So wird die aus dem notwendigen Raumprogramm generierte Baumasse geöffnet und in einzelne, maßstäbliche „Häuser“ gegliedert. Die unterschiedlichen Nutzungen spiegeln sich auch in den differenzierten Fassaden wieder. So treten die Baukörper der Wohngemeinschaften des Seniorenzentrums als modulhaft gerasterte Sichtbeton-Holz-Glas-Fassade, die Baukörper von Ambulatorium und Verwaltung als Holz-Fassaden und die Baukörper der Seniorenwohnungen als Naturstein-Holz-Glas-Fassade in Erscheinung. Es entstehen Orte der Identität, die Wiedererkennung und Übersichtlichkeit ermöglichen.

Die Proportionen und Dimensionen der einzelnen Baukörper orientieren sich an den umgebenden Bauwerken.

 

Der Dorfplatz

Die Häuser der Wohngemeinschaften gruppieren sich um ein Zentrum: den Dorfplatz. Ein zentraler Aufenthaltsort und Ausgangspunkt mit wohnheimübergreifender gemeinschaftlicher Aufenthaltsqualität.

Hier befinden sich alle stationsübergreifenden Nutzungen, die symbiotisch miteinander funktionieren und sich gegenseitig ergänzen: Kapelle, Café, Friseur, Bibliothek, Therapiebereich, Seminar- und Kursräume, Ambulatorium… Ein Treffpunkt für die Bewohnerinnen und Bewohner miteinander, aber auch ein Begegnungsort mit den Pflegekräften, den Gästen und den Nachbarn aus den umliegenden Gebäuden.

Ein- und Ausblicke in die Landschaft entstehen durch die Räume zwischen den einzelnen Baukörpern. Hier findet auch natürliches Licht und Sonne den Weg in das Innere des Gefüges. Die aus den Wohneinheiten begehbare Überdachung im zweiten und dritten Obergeschoss schafft, gemeinsam mit der Verglasung, einen klimatisch konditionierten Innenraum und einen ganzjährig geschützten Platz, der für alle nutzbar ist.

Zufällige und geplante Treffen mit Freunden, vertrauten und neuen Menschen finden sowohl in der Wohngemeinschaft als auch am Dorfplatz statt. Der Weg dorthin ist immer verbunden mit der umgebenden Landschaft. Am Ziel angelangt findet sich die Kirche und das Dorfwirtshaus – das Café.

Ein funktionales Organisationsschema, das den modernen Prinzipien von Pflege entspricht, wird eingebunden in einen angenehmen Alltag und um die Attribute von Wohnen und Vertrautheit erweitert.

 

Die Wohngemeinschaft

Die Wohngemeinschaft erstreckt sich auf einer Ebene über drei Baukörper, die mit Glasgängen verbunden sind.

Das Zimmer ist der private Rückzugsort. Hier finden die Bewohnerinnen und Bewohner Ruhe, ohne abgeschieden zu sein. Wichtig ist dabei die Größe der Wohngemeinschaften. Es gibt eine überschaubare Zimmeranzahl je „Haus“, jeweils mit Blickkontakt in die vertraute Umgebung. Jede Stationsgemeinschaft ist in einzelne kleinere Wohngruppen von 2 bis 5 Zimmer unterteilt. Die Bewohnerzimmer gruppieren sich so zu kleineren, gemeinschaftsstiftenden Einheiten mit Vorbereich, Sitzbank und stellenweise Sitznischen an den Fenstern mit Blick zum Dorfplatz im Erdgeschoss.

Zentrum und Treffpunkt jeder Wohngemeinschaft ist der große Aufenthaltsraum mit Gemeinschafsküche, der in direkter räumlicher Verbindung zum Pflegestützpunkt und dem Hauptzugang, dem Aufzug, steht. Er orientiert sich sowohl nach außen – über die vorgelagerte Terrasse – als auch nach innen zum zentralen Dorfplatz. Neben dem Dorfplatz hat man über das interne Fenster auch die Aufenthaltsräume anderer Wohngemeinschaften, die Durchgänge und die Dachgärten im Blick.

Rückzugsort der Wohngemeinschaft ist – vom privaten Zimmer abgesehen – der kleinere der beiden Aufenthaltsräume, die Stube. Jeder Wohnbereich hat zudem einen Zugang zu einem ebenerdigen Dachgarten im gleichen Geschoss.

Ergänzt werden die vielfältigen Aufenthaltsbereiche durch Sitznischen und Aufweitungen entlang der Gangzone mit differenzierten Sichtbeziehungen ins Innere des Gebäudes und in die Umgebung. Somit wird auch der Gang belebt und als erlebnisreiche Aufenthaltszone gestaltet.

 

Die Aussenanlagen

Erinnerungen an die Umgebung, an die Jahreszeiten, an das drinnen und draußen, die Arbeit im Obstgarten, im Weingarten, im Gemüsegarten spielen eine große Rolle.

Vom „Dorfplatz“ aus führt ein Spazierweg in die Obstgärten. Die streng angeordneten Baumreihen, ganz wie am angrenzenden Feld, können an frühere Zeiten der Arbeit in der Landwirtschaft erinnern. Die Pflege der Bäume, die Ernte des Obstes und vielleicht auch die Verarbeitung dessen wird zum integrierten Bestandteil des Alltagslebens im Wohnheim. Bänke entlang des Weges laden zum Verweilen ein und dienen als Treffpunkt in den Sommermonaten.

Ergänzt wird der Freiraum durch Gemüsegärten, Hochbeete, Naschgärten, taktile Wege, Wassersteine und einen Therapiebereich mit unterschiedlichsten Gehwegoberflächen, Stufen und Steigungen.

Seniorenwohnen und Seniorenzentrum erhalten separate Vorplätze mit ausreichender Größe für Haltebereiche der Transport- und Krankenwagen. Beide sind durch Fußwege miteinander verbunden. Der Dorfplatz des Seniorenzentrums erweitert sich auf den Vorplatz unter das schützende Vordach des darüber befindlichen Baukörpers.

  • Nutzflächeca. 7.700 m²
  • MitarbeiterMark Steinmetz, Dagmar Schultes
  • Bruttogeschoßflächeca. 11.000 m²
  • VisualisierungClemens Gurtner